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Portrait Christa Moog ©David von Becker 2009
Am 10.12.2010 las Christa Wolf, die Grand Dame der deutsch-deutschen Literatur, vor geladenen Gästen im Literaturhotel Berlin in der Fregestraße aus ihrem Werk »Stadt der Engel - The overcoat of Dr. Freud«, in dem sie ihren Aufenthalt in Los Angeles schildert… Ihr ungekünstelter Stil setzt sich in Christa Wolfs Erscheinung und ihrem ungezwungenen Umgang mit dem Publikum fort. Gelassen mit einem großen Jugendstilanhänger um den Hals sitzt sie im Biedermeiersalon von Christa Moog und plaudert mit dem Publikum. Ihr Mann - sie sind fast sechs Jahrzehnte eine Paar - ist mit allen Sinnen wach und steuert fehlende Informationen und Details bei. Es gibt so viel, was Wolfs Text in der Zuhörerschaft auslöst; viele bekennen sich als langjährige Fans und halten dicke Bücherstapel auf dem Schoß. Da werden Lebenserfahrungen verglichen, Kindheitserinnerungen ausgetauscht - und was bringt die meisten Herzen zum Mitklingen? Eine mehrseitige Aufzählung von Liedern. Nicht zu glauben, wie eine überwältigende Auswahl von Liedtiteln so anrühren kann: in einer schlaflosen Nacht der Not, so schreibt es die Autorin, sang sie Stunde um Stunde. Kirchenlieder, Wanderlieder, Kinderlieder, Kunstlieder, Volkslieder, Schlager und Choräle - was immer Christa Wolf in den Sinn kam, wurde gesungen (und aufgeschrieben). Und jeder Titel beschwört Erinnerungen herauf oder löst Vorstellungen aus, selbst wenn man ihn noch nie gehört hat. Sie könne von hier bis zur Ostsee ununterbrochen singen, erzählt Christa Wolf. Sie scheint es zu bedauern, als die Gastgeberin zur Signierstunde überleitet... Sanne v. Sedlitz